Menthol-Verbot 2020: Warum es gilt und warum „wieder erlaubt“ nicht stimmt

Sind Mentholzigaretten seit 2022 wieder erlaubt?

Nein. Mentholzigaretten sind in der EU seit dem 20. Mai 2020 durchgehend verboten, eine Rücknahme hat es 2022 nicht gegeben. In dem Jahr wurde das Verbot im Gegenteil ausgeweitet: Die Delegierte Richtlinie (EU) 2022/2100 nahm mentholhaltige Tabaksticks dazu, wirksam ab dem 23. Oktober 2023.

Die Suchanfrage „Menthol-Zigaretten wieder erlaubt 2022“ hat also einen echten Auslöser, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Aus einer Verschärfung wurde in der Weitergabe eine Lockerung.

Diese Seite beantwortet die Status- und Verlaufsfrage: seit wann, auf welcher Grundlage, mit welchen Erweiterungen und mit welcher Aussicht. Ob es irgendwo noch Ware zu kaufen gibt, steht in Gibt es noch Menthol-Zigaretten? Der Stand 2026.

Eines vorweg, weil die Frage sofort kommt: Legal ist heute nur noch, das Aroma nach dem Kauf selbst zuzugeben, etwa mit Aromakugeln für den eigenen Filter. Warum das nicht unter das Verbot fällt, steht in Abschnitt fünf.

Seit wann gilt das Menthol-Verbot, und was steht im Gesetz?

Seit dem 20. Mai 2020, geregelt in Artikel 7 der EU-Tabakproduktrichtlinie 2014/40/EU. Verboten ist dort nicht der Stoff Menthol als solcher, sondern das charakteristische Aroma im Tabakerzeugnis: Ein Hersteller darf keine Zigarette in Verkehr bringen, die erkennbar nach Menthol schmeckt oder riecht.

Zwei Details erklären fast alle Missverständnisse. Erstens greift das Verbot beim Inverkehrbringen, also beim Verkauf, nicht beim Besitz oder beim Rauchen. Eine alte Schachtel im Schrank ist kein Problem. Zweitens spielt es keine Rolle, wo das Aroma sitzt: im Tabak, im Papier oder in einer Kapsel im Filter.

Menthol bekam vier Jahre mehr Zeit als alle anderen Aromen, weil sein unionsweiter Marktanteil über drei Prozent lag. Für Vanille, Schokolade und Frucht endete die Frist schon am 20. Mai 2016. Der Text steht in Artikel 7 der Richtlinie 2014/40/EU.

Die Zeitleiste darunter zeigt jedes Datum mit der zugehörigen Rechtsgrundlage und dem, was es praktisch bedeutet hat.

Das Menthol-Verbot von 2014 bis 2026: jedes Datum mit Grundlage

DatumWas passiert istRechtsgrundlageWas das praktisch bedeutete
3. April 2014EU beschließt die Tabakproduktrichtlinie mit Verbot charakteristischer AromenRichtlinie 2014/40/EUStartschuss, noch ohne Wirkung im Regal
4. Mai 2016EuGH weist die Klage Polens gegen das Menthol-Verbot abRechtssache C-358/14Verbot ist rechtlich bestätigt, Gerichtsweg erledigt
20. Mai 2016Aromaverbot greift für Vanille, Schokolade und FruchtArt. 7 RL 2014/40/EUMenthol bekommt vier Jahre Aufschub
20. Mai 2020Mentholzigaretten und Menthol-Feinschnitt verschwinden aus dem EU-HandelArt. 7 Abs. 14 RL 2014/40/EUDer Stichtag, an dem das Regal leer wurde
29. Juni 2022Kommission streicht die Ausnahme für erhitzte TabakerzeugnisseDelegierte RL (EU) 2022/2100Verschärfung, die viele als Lockerung missverstanden
23. Oktober 2023Mentholhaltige Tabaksticks dürfen nicht mehr verkauft werdenDelegierte RL (EU) 2022/2100Auch Tabakerhitzer sind ohne Menthol
21. Januar 2025USA ziehen ihren eigenen Verbotsentwurf zurückFDA-Verfahren, kein EU-RechtOhne jede Wirkung in Europa
August 2026Verbot gilt unverändert, keine Ausnahme in Sichtgeltendes EU-RechtLegal bleibt nur, das Aroma selbst zuzugeben

Stand: August 2026. Quellen: Richtlinie 2014/40/EU, Delegierte Richtlinie (EU) 2022/2100 und das EuGH-Urteil in der Rechtssache C-358/14, alle im Amtsblatt der EU bzw. bei EUR-Lex veröffentlicht.

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Was ist 2022 passiert, dass so viele von einer Rücknahme reden?

2022 hat die EU-Kommission die Ausnahme für erhitzte Tabakerzeugnisse gestrichen. Am 29. Juni 2022 erschien die Delegierte Richtlinie (EU) 2022/2100, die Tabaksticks mit charakteristischem Aroma denselben Regeln unterwirft wie Zigaretten. Umgesetzt werden musste sie bis zum 23. Oktober 2023, seitdem sind mentholhaltige Sticks aus dem Handel.

Die Schlagzeilen dazu lauteten sinngemäß „EU beschließt Menthol-Regel 2022“. Wer nur die Überschrift gelesen hat, konnte daraus alles Mögliche machen, auch das Gegenteil. Nachlesen lässt sich die Richtlinie bei EUR-Lex zur Delegierten Richtlinie (EU) 2022/2100.

Dazu kommen drei weitere Quellen für das Gerücht. Sortennamen wie Fresh, Ice oder Green stehen weiter im Regal, kühlen aber über Minzaromen und nicht über Menthol als charakteristisches Aroma. Urlaubsfotos aus der Schweiz zeigen echte Menthol-Packungen, weil die Schweiz kein EU-Mitglied ist. Und viele Ratgeberseiten tragen kein Datum, ihr Stand ist 2019.

Die Übersicht am Ende dieses Abschnitts sortiert die vier Verwechslungsquellen und stellt jeder gegenüber, was tatsächlich passiert ist.

Hat jemand gegen das Menthol-Verbot geklagt?

Ja, und die Klage ist gescheitert. Polen hat das Menthol-Verbot 2014 vor dem Europäischen Gerichtshof angegriffen, unterstützt von Rumänien. Der EuGH wies die Klage am 4. Mai 2016 in der Rechtssache C-358/14 ab und bestätigte das Verbot als rechtmäßig.

Das Gericht folgte im Kern zwei Argumenten. Menthol nimmt dem Rauch die Schärfe und erleichtert damit den Einstieg, und ein einheitlicher Binnenmarkt verträgt keine 27 verschiedenen Aromaregeln. Am selben Tag bestätigte der EuGH in zwei Parallelverfahren auch die Verpackungsvorgaben und die Sonderregeln für E-Zigaretten.

Für die Praxis ist das die wichtigste Nachricht dieses Abschnitts: Der juristische Weg ist ausgeschöpft. Das Verbot lässt sich nicht mehr über ein Gericht kippen, sondern nur noch politisch ändern, also durch eine neue Richtlinie von Parlament und Rat. Das Urteil steht bei EUR-Lex zur Rechtssache C-358/14.

Gilt das Verbot auch für Sticks, Filter, Karten und Kugeln?

Für Tabakerzeugnisse ja, für Zubehör nein. Die Trennlinie verläuft nicht am Menthol, sondern an der Frage, ob das Aroma schon beim Verkauf im Produkt steckt. Zigaretten, Feinschnitt, Klickzigaretten und Tabaksticks sind erfasst, weil sie fertig aromatisiert wären.

Artikel 7 Absatz 7 der Richtlinie zieht die Linie ausdrücklich weit: Aromastoffe sind auch in Filtern, Papieren, Verpackungen und Kapseln untersagt, wenn sie zum Tabakerzeugnis gehören. Deshalb gibt es keine ab Werk aromatisierten Filterhülsen mehr zu kaufen.

  • Mentholzigaretten und Menthol-Feinschnitt: verboten seit dem 20.05.2020
  • Klickzigaretten mit Menthol-Kapsel: verboten seit dem 20.05.2020, Kapseln sind ausdrücklich erfasst
  • Tabaksticks mit Menthol: verboten seit dem 23.10.2023, Details im Statusbericht zu Menthol im Tabakerhitzer
  • Menthol-Liquid für E-Zigaretten: erlaubt, weil Liquid kein Tabakerzeugnis ist
  • Menthol-Karten und Aromakarten: erlaubt, sie werden erst zu Hause zur Packung gelegt
  • Aromakugeln als Zubehör: erlaubt, das Aroma kommt erst im eigenen Filter dazu

Diese Systematik ist kein Schlupfloch, sondern die Logik der Richtlinie. Sie regelt, was Hersteller verkaufen dürfen, und nicht, was Volljährige nach dem Kauf mit ihrer eigenen Zigarette machen. Warum genau das für Aromakugeln gilt, steht in Sind Klickzigaretten und Aromakugeln verboten?.

Menthol nach Produktgruppe: erlaubt oder verboten?

ProduktMenthol erlaubt?Seit wannGrundlage
Zigarettennein20.05.2020Art. 7 Abs. 14 RL 2014/40/EU
Feinschnitt zum Drehen und Stopfennein20.05.2020Art. 7 Abs. 14 RL 2014/40/EU
Klickzigaretten mit Aromakapselnein20.05.2020Art. 7 Abs. 7 RL 2014/40/EU
Ab Werk aromatisierte Filter und Hülsennein20.05.2020Art. 7 Abs. 7 RL 2014/40/EU
Tabaksticks für Tabakerhitzernein23.10.2023Delegierte RL (EU) 2022/2100
Liquid für E-Zigarettenjanicht betroffenkein Tabakerzeugnis
Menthol-Karten für die Packungjanicht betroffenZubehör ohne Tabak
Aromakugeln für den eigenen Filterjanicht betroffenAroma kommt erst nach dem Kauf dazu

Stand: August 2026, geltend für Deutschland und alle EU-Staaten. Die Trennlinie verläuft zwischen Tabakerzeugnis und Zubehör, nicht am Stoff Menthol.

Kann das Menthol-Verbot noch gekippt werden?

Auf absehbare Zeit nicht. Eine Aufhebung bräuchte eine neue Richtlinie von Parlament und Rat, und die Richtung der EU-Debatte geht seit Jahren umgekehrt: Die anstehende Überarbeitung der Tabakregeln diskutiert weitere Einschränkungen, nicht weniger. Der Gerichtsweg ist seit 2016 erledigt.

Ein Blick in die USA erklärt eine zweite Gerüchtequelle. Die dortige Arzneimittelbehörde FDA hatte 2022 ein eigenes Menthol-Verbot vorgeschlagen, es lange verschoben und den Entwurf im Januar 2025 zurückgezogen. Das war eine echte Kehrtwende, sie betrifft aber ausschließlich den US-Markt und ändert an der EU-Rechtslage nichts. Die Einordnung dazu steht beim Public Health Law Center.

Wer auf eine Rückkehr wartet, wartet also auf einen politischen Kurswechsel in Brüssel, für den es aktuell keine Anzeichen gibt. Sechs Jahre nach dem Stichtag ist die realistische Planungsgrundlage: Das Verbot bleibt.

Was ist heute legal, wenn du Menthol im Rauch willst?

Legal ist alles, was du nach dem Kauf selbst hinzufügst. Eine Aromakugel ist eine kleine Kapsel mit Lebensmittelaroma, die in den Zigarettenfilter gesetzt wird und beim Zusammendrücken zerplatzt, wodurch das Aroma in den Rauch gelangt.

Der Klick ist derselbe wie früher, der rechtliche Unterschied liegt im Zeitpunkt: Die Kugel sitzt nicht ab Werk im Filter, sondern kommt von dir dazu. Damit ist sie Zubehör und kein Tabakerzeugnis. Mit dem Stäbchen an der Packung dauert das Einsetzen ein paar Sekunden, mit dem Aroma-Deluxe-Applikator für 11,99 Euro unter drei.

Die Aromakugeln von Aroma Deluxe kosten 3,49 Euro für 100 Stück und sind in zehn Sorten zu haben. Dem klassischen Menthol am nächsten kommt Blue Menthol, kälter wird es mit Ice Blast. Pro Zigarette sind das 2 bis 3 Cent, bei einer Schachtel am Tag 16 bis 21 Euro im Monat.

Aromakugel, Menthol-Karte, Minzsorte oder E-Zigarette: Den Vergleich der legalen Wege mit Kosten je Zigarette findest du in Mentholzigaretten-Alternative: fünf legale Wege. Welche Kugel welcher alten Klick-Sorte am nächsten kommt, steht in Ersatz für die bekannten Klick-Sorten.

Klar gesagt: Eine Aromakugel macht die Zigarette nicht harmloser. Sie gibt den Geschmack zurück, mehr nicht. Rauchen bleibt schädlich, mit Menthol wie ohne.

Was heißt das für dich, Stand August 2026?

Kurz zusammengefasst: Das Menthol-Verbot steht seit dem 20. Mai 2020, wurde 2022 auf Tabaksticks erweitert, ist 2016 vom EuGH bestätigt worden und wird auch 2026 nicht gelockert. Alles, was nach Rücknahme klingt, ist entweder eine Verwechslung mit der Stick-Erweiterung oder eine Meldung aus den USA.

Ich bin Jeff und habe Aroma Deluxe 2022 gegründet, zwei Jahre nach dem Stichtag. Damals war ich einer von denen, die noch auf eine Rücknahme gehofft haben. Als klar war, dass die nicht kommt, habe ich mir die Kugeln selbst besorgt und so lange nachjustiert, bis sie taugten. Heute sind es zehn Sorten, über 36.000 Kunden und mehr als 1.000 Bewertungen mit 4,6 von 5 Sternen. Versendet wird aus Deutschland, im Inland in 1 bis 3 Werktagen.

Was mir die Nachfrage zeigt: Sechs Jahre nach dem Stichtag ist Menthol immer noch die meistverkaufte der zehn Sorten. Rund drei von zehn verkauften Einzelboxen sind Menthol, zusammen mit Ice Blast gut ein Drittel, gerechnet über das letzte halbe Jahr. Verschwunden ist das Produkt, nicht der Geschmack, den die Leute suchen. Die Übersicht darunter zeigt, welche Verwechslung welches Gerücht ausgelöst hat.

Woher das Gerücht kommt: vier Verwechslungen

AuslöserWas daraus wurdeWas tatsächlich gilt
EU-Richtlinie von 2022 in den Nachrichten„Menthol 2022 wieder erlaubt“Die Richtlinie 2022/2100 hat das Verbot auf Tabaksticks ausgeweitet.
USA ziehen ihren Verbotsentwurf zurück (Januar 2025)„Das Verbot ist gekippt“Betrifft nur den US-Markt, EU-Recht bleibt unverändert.
Sorten mit Fresh, Ice oder Green im Namen„Menthol ist doch wieder da“Diese Sorten kühlen über Minzaromen, nicht über Menthol als charakteristisches Aroma.
Urlaubsfotos aus der Schweiz oder alte Ratgeberseiten„Woanders gibt es das noch, also ist es erlaubt“Die Schweiz ist kein EU-Mitglied, undatierte Ratgeber stehen oft auf dem Stand von 2019.

Stand: August 2026. Jede Zeile beschreibt eine reale Meldung oder Beobachtung und was daraus in der Weitergabe geworden ist.

Häufige Fragen zum Menthol-Verbot

Wann wurde das Menthol-Verbot beschlossen und wann trat es in Kraft?

Beschlossen wurde es am 3. April 2014 mit der EU-Tabakproduktrichtlinie 2014/40/EU. In Kraft trat das Aromaverbot am 20. Mai 2016, für Menthol galt wegen des hohen Marktanteils eine verlängerte Frist bis zum 20. Mai 2020. Seitdem dürfen Mentholzigaretten und Menthol-Feinschnitt in der EU nicht mehr verkauft werden.

Hat jemand gegen das Menthol-Verbot geklagt?

Ja. Polen klagte mit Unterstützung Rumäniens vor dem Europäischen Gerichtshof gegen das Verbot. Der EuGH wies die Klage am 4. Mai 2016 in der Rechtssache C-358/14 ab und erklärte die Regelung für gültig. Damit ist der juristische Weg ausgeschöpft, eine Änderung wäre nur noch über eine neue Richtlinie möglich.

Gilt das Menthol-Verbot auch für Filter und Filterhülsen?

Ja, soweit sie zum Tabakerzeugnis gehören. Artikel 7 Absatz 7 der Richtlinie 2014/40/EU verbietet Aromastoffe ausdrücklich auch in Filtern, Papieren, Verpackungen und Kapseln. Deshalb gibt es keine ab Werk aromatisierten Filterhülsen mehr. Zubehör, das du erst zu Hause selbst einsetzt, ist davon nicht erfasst.

Sind Menthol-Karten und Aromakugeln vom Verbot betroffen?

Nein. Beides sind Zubehörartikel ohne Tabak, das Aroma kommt erst nach dem Kauf durch den Raucher dazu. Aromakugeln von Aroma Deluxe setzt du selbst in den Filter deiner eigenen Zigarette, 100 Stück kosten 3,49 Euro. Für Volljährige ist der Kauf und die Verwendung in Deutschland zulässig.

Wird das Menthol-Verbot in der EU wieder aufgehoben?

Danach sieht es nicht aus. Eine Aufhebung bräuchte eine neue Richtlinie von Parlament und Rat, und die laufende Debatte über die Überarbeitung der Tabakregeln geht in Richtung weiterer Einschränkungen. Der Gerichtsweg ist seit dem EuGH-Urteil von 2016 erledigt. Realistische Planungsgrundlage für 2026: Das Verbot bleibt.

Was hat das US-Menthol-Verbot mit der EU zu tun?

Nichts, außer Verwirrung. Die US-Behörde FDA hatte 2022 ein eigenes Menthol-Verbot vorgeschlagen und den Entwurf im Januar 2025 zurückgezogen. Diese Kehrtwende betrifft ausschließlich den US-Markt. In der EU gilt das Verbot seit dem 20. Mai 2020 unverändert, unabhängig davon, was in Washington entschieden wird.